Verena Ramseier hatte schon immer ein Faible für kreative Lösungen. Als sie von der Minihaus-Bewegung hörte, war sie sofort fasziniert. «Ich habe gesagt, ich will solche Minihäuser», erinnert sich Frau Ramseier mit einem Lächeln. Statt ihr Bauland für ein grosses Mehrfamilienhaus zu nutzen, wollte sie etwas Einzigartiges schaffen, das die idyllische «Hoschtet» mit den jahrzehntealten Bäumen auf dem Familiengrundstück bewahrt.
Herr Ramseier fügt einen weiteren Aspekt hinzu: «Wer weiss schon, wie die Zukunft aussieht? Sollten wir oder unsere Söhne das Land später anders nutzen wollen, können wir die Minihäuser einfach wieder abbauen.»
Über Familie Ramseier
Verena und Alfred Ramseier wohnen mitten in Grünenmatt. Zum Familiengrundstück gehört einerseits die Firma D. Ramseier AG, die Alfred Ramseier Ende der Siebzigerjahre mit seinem Bruder vom Vater übernommen und in der Zwischenzeit zusammen mit dem Grundstück an seine eigenen Söhne übergeben hat. Andererseits gehört der Gasthof zum Löwen dazu, in dessen Dachgeschoss die Ramseiers wohnen. Dazwischen befinden sich Parkplätze und eine schöne «Hoschtet». Seit jeher packen Verena und Alfred Ramseier an. Sie denken voraus und gestalten zukunftsorientiert und clever um. Sei es mit ihrer Firma, beim Umbau des Gasthofs zum Löwen oder bei der Nutzung des Baulands. Immer wenden sie sich an Partner, die sie seit Jahren kennen und zu denen sie Vertrauen haben. Das ist ihr Rezept, um «zäme füretsi» zu streben.
Ein herausfordernder Bauprozess
Ein glücklicher Zufall brachte die Idee der Minihäuser ins Rollen: Ein Freund ihrer Söhne nahm gerade seine Bachelorarbeit über den Bau eines solchen Minihauses in Angriff. So entstand der Plan, dieses Projekt auf dem eigenen Grundstück umzusetzen. Was als theoretisches Konzept begann, nahm schnell Gestalt an. «Es war eine Win-win-Situation für uns alle», erklärt Herr Ramseier, der die Vision mitgetragen hat. Denn der junge Holzbau-Projektleiter habe sich weiterentwickeln können und sie hätten ein Minihaus nach ihren Vorstellungen erhalten.
Der Bau der Minihäuser war ein Novum – nicht nur für die Ramseiers, sondern auch für die beteiligten Unternehmen. «Weder die Baufirma noch wir hatten Erfahrung damit», erzählt Alfred Ramseier. «Es war für alle neu.» Doch die Familie ging den Weg gemeinsam mit Partnern, die sie seit Jahren kennen und denen sie vertrauen. Diese enge Zusammenarbeit war ein entscheidender Faktor für den Erfolg des Projekts. Und die ganze Haustechnik, Sanitäranlagen, Spenglerarbeiten und die Heizung hätten sie mit der Firma der Söhne selbst umgesetzt.
Der Bau der Minihäuser war für die Ramseiers und die Baufirma ein Novum.
Die Minihäuser lassen sich sehen
Die Minihäuser sind kleine Wunderwerke der Effizienz: Auf nur 35 m² bieten sie alles, was man zum Leben braucht – eine moderne Küche in einem geräumigen Wohn- und Schlafraum, ein komfortables Bad inklusive Abstellraum und eine Garderobe. Die Minihäuser sind nicht nur funktional, sondern auch ökologisch durchdacht. Sie erfüllen den Minergie-Standard und sind dank einer erhöhten Bauweise sogar vor Hochwasser geschützt. Angeschlossen an den Wärmeverbund der Firma werden sie von einer Heizung mit einheimischen Holzschnitzeln gespiesen.
Es kommt fast ein bisschen Ferienstimmung auf, wenn man sich durch das Minihaus-Quartier bewegt. Der Umschwung mit den vereinzelten Bäumen und die grosszügigen 9 m2 grossen Terrassen tragen zu diesem Gefühl bei.
Die Minihäuser bieten alles, was man zum Leben braucht.
Keine Nullachtfünfzehn-Finanzierung
Ein innovatives Projekt wie dieses bringt auch in finanzieller Hinsicht neue Herausforderungen mit sich. «Als mich Verena und Alfred Ramseier kontaktiert und mir ihr Vorhaben geschildert haben, musste ich zuerst über die Bücher», gibt Roman Grossen, Filialleiter der Bernerland Bank in Sumiswald, zu. Es ging um keine klassische Finanzierung, denn Minihäuser fallen nicht in die üblichen Kategorien unbeweglicher Immobilien. Doch Grossen fand die Idee spannend und klärte ab, an welche Bedingungen eine Finanzierung geknüpft ist. Schliesslich ist eine Zusammenarbeit zustande gekommen.
Ramseiers schätzen die langjährige Beziehung zur Bernerland Bank. «Man kennt sich einfach.» Diese Vertrauensbasis erleichterte die Zusammenarbeit. «Wir wollen bei einer Regionalbank sein, bei der wir auch mit einem Anliegen auf offene Türen stossen, das nicht nullachtfünfzehn ist», betont Herr Ramseier.
Die Bernerland Bank hat die Minihäuser von Familie Ramseier mitfinanziert.
Ein Projekt mit Zukunft
Die Minihäuser sind seit dem 1. August alle fest vermietet. Von Beginn weg war das Interesse gross, interessanterweise vor allem bei Frauen. Die Männer seien am Tag der offenen Tür schon auch «gwungerig» gewesen, doch waren sie vor allem von der Bauart fasziniert. Für die Zukunft sind Ramseiers offen. «Vielleicht wird es ja mal eine Feriendestination», spekuliert Frau Ramseier laut. Doch vorerst geniessen sie den Erfolg ihres Projekts und die Freude, etwas Nachhaltiges geschaffen zu haben.
Für Verena und Alfred Ramseier war der Bau der Minihäuser nicht nur ein architektonisches Abenteuer, sondern auch ein Herzensprojekt, das den Zusammenhalt ihrer Familie stärkte. Mit der Unterstützung der Bernerland Bank und weiterer regionaler Partner konnten sie ihre Vision verwirklichen und damit einen neuen Akzent in der nachhaltigen Bauweise setzen.