Die Ausgangslage war anspruchsvoll. Wer im Frühling die Nachrichten verfolgt hat, hat den Börsen wenig zugetraut. Der Konflikt im Nahen Osten hat sich zugespitzt und wichtige Handelswege blockiert. Energiepreise sind gestiegen und haben das Wachstum gebremst.
Auch die Zinsen haben sich nach oben bewegt und die Märkte belastet. Höhere Zinsen verteuern Finanzierungen und machen alternative Anlagen attraktiver. Das setzt Aktienbewertungen unter Druck.
Und trotzdem haben sich viele Aktienmärkte überraschend positiv entwickelt. Genau dieser scheinbare Widerspruch prägt das erste Halbjahr.
Ein entscheidender Treiber: Gewinne
Die Erklärung liegt in einer zweiten Kraft, die gleichzeitig gewirkt hat. Viele Unternehmen haben ihre Gewinne steigern können. Diese Entwicklung ist zentral: Aktienkurse hängen nicht nur von Zinsen ab, sondern vor allem von der Ertragskraft der Unternehmen.
Steigen die Gewinne, stützt das die Kurse – selbst in einem anspruchsvollen Umfeld. Im ersten Halbjahr hat genau dieser Effekt überwogen. Die steigenden Gewinne haben den Gegenwind durch höhere Zinsen überwiegend ausgeglichen.
So entsteht ein Zusammenspiel zweier Kräfte:
Die Zinsen bremsen – die Gewinne ziehen an. Aktuell überwiegt die Wirkung der steigenden Gewinne.
Investitionen treiben den Gewinnmotor
Doch woher kommt dieses Gewinnwachstum? Ein genauerer Blick zeigt: Unternehmen investieren weltweit in grossem Stil. Im Zentrum steht der Ausbau der Infrastruktur rund um künstliche Intelligenz. Rechenzentren entstehen, die Nachfrage nach Halbleitern steigt, und auch die Energieinfrastruktur wird ausgebaut.
Diese Investitionen schaffen neue Wachstumsimpulse für die Wirtschaft. Sie stärken die Ertragskraft vieler Unternehmen und treiben damit die Märkte.
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Chancen nutzen – Risiken erkennen
Der Gewinnschub zeigt sich jedoch nicht überall gleich stark. In den USA tragen vor allem grosse Technologiekonzerne zur Entwicklung bei, in den Schwellenländern profitieren insbesondere Halbleiterhersteller.
Das eröffnet Chancen – bringt aber auch Risiken mit sich. Denn die Märkte hängen zunehmend von wenigen, sehr grossen Unternehmen ab. Entwickeln sich diese schwächer, wirkt sich das rasch auf ganze Indizes aus.
Deshalb bleibt eine breite Streuung entscheidend: Wer weltweit über Regionen und Branchen hinweg investiert, reduziert Abhängigkeiten und stabilisiert sein Portfolio.
Disziplin schlägt Timing
Was lässt sich daraus für Anlegerinnen und Anleger ableiten? Kurzfristige Ereignisse bewegen die Märkte oft stark. Schlagzeilen lösen Unsicherheit aus – und verleiten dazu, rasch zu reagieren. Langfristig zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Die Ertragskraft der Unternehmen ist der wichtigste Treiber für Aktienmärkte.
Wer investiert ist und bleibt, hat bessere Chancen, an dieser Entwicklung teilzuhaben. Handeln Sie dabei diszipliniert.
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