Der Lärm der Motorsägen hallt aus dem Wald über die Felder. Schilder am Wegrand weisen auf den Holzschlag hin. Etwas näher am Waldrand lässt das Knarzen und der anschliessende dumpfe Aufprall den Fall einer grossen Tanne erahnen. Kurz darauf bahnt sich ein Tragschlepper seinen Weg durch das unebene Gelände, voll beladen mit sauber entasteten und gekürzten Baumstämmen. Gekonnt lädt der Fahrer Stamm für Stamm mit dem Kran ab und schichtet sie beim Sammelplatz am Wegrand.
An diesem eisigkalten Januartag ist die Burgergemeinde Sumiswald im Tannenbad, etwas ausserhalb des Dorfes, am Holzen. Sechs Waldarbeiter sind im Einsatz und über Funk ständig miteinander in Kontakt. Die Sicherheit steht jederzeit im Fokus: Jeder Baumfall wird angekündigt, die Abläufe sind aufeinander abgestimmt, die Konzentration ist hoch.
Die Holzernte prägt den Winter
Christoph Hirschi ist gelernter Forstwart und einer der Waldarbeiter bei der Burgergemeinde Sumiswald. Die Holzernte oder eben der Holzschlag bildet während der Wintermonate einen zentralen Schwerpunkt seiner Arbeit.
Zum Burgerwald der Gemeinde Sumiswald gehören rund 365 Hektaren Waldfläche. Diese Fläche lastet die sechs angestellten Forstwarte und den Lernenden allerdings nur zu rund 40 Prozent aus. Deshalb wird das Team zusätzlich vom Staatsforstbetrieb des Kantons Bern sowie von privaten Waldbesitzern beauftragt. Insgesamt bewirtschaften Hirschi und seine Kollegen zwischen Fulenbach, Wynigen und dem Napf jährlich rund 6500 Kubikmeter Holz. «Das entspricht über 250 voll beladenen Holzlastwagen», veranschaulicht Hirschi.
Für die Holzernte kommen unterschiedliche Hilfsmittel zum Einsatz, allen voran die Motorsäge. Schwere Maschinen ergänzen die Handarbeit: Traktoren, um gefällte Stämme aus dem Dickicht zu ziehen, oder Tragschlepper, die gefällte und gekürzte Stämme aufnehmen, zum Wegrand transportieren und dort abladen. Häufig werden auch Baggerprozessoren verwendet, mit denen die Stämme maschinell entastet werden. Wo es das Gelände verlangt, setzt die Burgergemeinde ihre eigenen Seilbahnen ein. «Ausnahmsweise kommt auch mal ein Helikopter zum Einsatz – das habe ich in 20 Jahren aber erst dreimal erlebt», ergänzt Hirschi schmunzelnd. Im Emmental ist die Arbeit mit Seilbahnen allerdings besonders häufig. Ob Stämme in der Luft oder am Boden transportiert werden, hängt stets davon ab, was Gelände und Wald zulassen.
Holzschlag als Teil des grossen Ganzen
Christoph Hirschi fühlt sich im Wald zuhause. «Das ist einfach meins.» An seinem Beruf schätzt er vor allem die Vielseitigkeit. «Am liebsten holze ich. Aber auch die Jungbaumpflege gefällt mir. Und als Springer dort zu arbeiten, wo es mich gerade braucht, passt gut zu mir.» Manchmal sei er jeden Tag an einem anderen Ort – und doch quasi immer vor der Haustür. Das empfindet er als grossen Luxus.
«Im Wald fühle ich mich zuhause.
Das ist einfach meins.»
Doch nicht immer wird das Holzen von der Bevölkerung verstanden. Gerade in der Nähe bewohnter Gebiete stossen Eingriffe auf Kritik. «Das finde ich schade», gibt Hirschi zu. Ein wichtiger Teil seiner Arbeit ist deshalb auch die Aufklärung. In der Schweiz sind Kahlschläge verboten. Und im Emmental ist der Plenterwald besonders verbreitet: Wälder mit Bäumen unterschiedlichen Alters und einer Mischung verschiedener Baumarten. Das sorgt für Stabilität, Schutz und Artenvielfalt.

Spannend ist dabei, dass die Baumarten unterschiedlich lang wachsen, bis sie genutzt werden können. Fichten erreichen dieses Alter nach 50 bis 60 Jahren, während eine Eiche mehrere hundert Jahre benötigt. Die Aufgabe der Waldarbeiter ist es, gezielt einzelne Bäume zu entnehmen, um Licht für die nächste Baumgeneration zu schaffen und gleichzeitig wertvolles Holz zu gewinnen. Der Waldboden muss dabei stets beschattet bleiben, um vor Naturgefahren zu schützen. Die Holzernte ist somit nicht das Hauptziel, sondern Teil eines grösseren Ganzen. «Es geht um den Spagat zwischen Nutzung, Schutz und Nachhaltigkeit», fasst Hirschi zusammen.

Über Christoph Hirschi
Christoph Hirschi ist auf einem Landwirtschaftsbetrieb aufgewachsen und kam früh mit der Holzerei in Kontakt. Sein Nachbar nahm ihn mit in den Wald, liess ihn helfen – eine Arbeit, die ihn von Anfang an faszinierte. Bald stand für ihn fest, dass er eine Lehre als Forstwart machen will.
Seit über 20 Jahren übt der heute 40‑Jährige seinen Beruf mit Leidenschaft aus. Dank des vielseitigen Aufgabengebiets ist er nach wie vor in seinem Element. Er lebt mit seiner Frau und seiner Tochter in Sumiswald.
Klarheit im Vorgehen
Bevor Christoph Hirschi mit seinem Team einen Holzschlag beginnt, haben Förster und Vorarbeiter die Grundlagen bereits definiert: Die zu fällenden Bäume sind markiert, die Methode für den Abtransport ist festgelegt. Kommt eine Seilbahn zum Einsatz, ist geklärt, wo die Seile befestigt werden. Diese Klarheit ist notwendig – nicht nur für die Effizienz, sondern vor allem für die Sicherheit.
Eine enge Zusammenarbeit ist dabei entscheidend. Während der Förster den Überblick behält, Bäume markiert und administrative Aufgaben übernimmt, setzt der Forstwart die Arbeiten vor Ort um. Bei der Planung spielen auch die Dimensionen der Bäume eine wichtige Rolle. Ein fünf Meter langer Buchenstamm mit 50 Zentimetern Durchmesser ergibt rund einen Kubikmeter Holz – und bringt deutlich mehr Gewicht auf die Waage als eine Fichte. «Solche Unterschiede bestimmen, wie die Stämme zugeschnitten und transportiert werden», erklärt Hirschi.
Jungwaldpflege mit langfristiger Wirkung
Hirschi beobachtet, dass sich die Wälder verändern – durch klimatische Bedingungen, Käferbefall und gesellschaftliche Erwartungen. In den Sommermonaten gehören deshalb Pflege- und Kontrollaufgaben zur Forstarbeit, zum Beispiel um die Wälder gezielt auf Borkenkäfer zu kontrollieren. Durch die Klimaerwärmung ist das Holz trockener geworden und bietet ideale Bedingungen für die Käfer. «Befallene Bäume müssen wir rasch fällen und entrinden – sie haben keine Überlebenschance», erklärt der Fachmann.
Besonders am Herzen liegt Christoph Hirschi die Jungwaldpflege: «Mit ihr können wir viel beeinflussen. Die Baumarten, die wir heute fördern, entscheiden darüber, welches Holz drei Generationen nach mir ernten werden.» Während seiner Lehre nach dem Lothar-Sturm pflanzte er Jungbäume. «Diese kann ich vielleicht kurz vor meiner Pensionierung ernten.» Ein greifbares Beispiel dafür, wie langfristig seine Arbeit wirkt.
«Was ich in der Lehrzeit gesät habe,
kann ich vielleicht vor meiner Pensionierung ernten.»
Nachhaltigkeit prägt auch seine Bankbeziehung. «Ich erinnere mich gut daran, wie mich meine Eltern zur Bernerland Bank begleitet haben, um mein Lohnkonto für den ersten Lehrlingslohn zu eröffnen.» Er schätzt einerseits die überschaubaren Strukturen seiner Bank und andererseits, dass nicht alles um jeden Preis umgesetzt werden muss. Diese Klarheit entfaltet für ihn bis heute Wirkung: «Die unkomplizierte Abwicklung erlebe ich noch genauso wie vor 25 Jahren. Was ich gebraucht habe, habe ich immer bekommen.»

Am Ende eines Arbeitstags bleiben gestapelte Stämme am Wegrand zurück – vorläufig. Und ein Wald, der weiter gepflegt wird. Mit Klarheit geplant, mit konzentriertem Können umgesetzt. Und mit Wirkung über viele Jahre hinweg.