Die digitale Welt entwickelt sich rasant weiter. Künstliche Intelligenz automatisiert Prozesse, senkt Kosten und verändert ganze Geschäftsmodelle. Paradoxerweise rückt gerade dadurch etwas anderes wieder stärker in den Fokus: die physische Welt. Rohstoffe und Energie, Industrie und Infrastruktur gewinnen an Bedeutung – an den Aktienmärkten ebenso wie in der strategischen Vermögensanlage.
Wenn die materielle Welt wieder wichtiger wird
An den Aktienmärkten zeichnet sich ein klarer Führungswechsel ab. Seit Oktober 2025 ist die Entwicklung von physischen und digitalen Branchen deutlich auseinandergegangen. Unternehmen aus den Bereichen Rohstoffe, Energie, Infrastruktur und Industrie haben sich besser entwickelt als die bislang dominierenden Sektoren der digitalen Welt. Besonders Technologie- und Kommunikationsunternehmen haben das Nachsehen.
Auch innerhalb der IT-Branche könnte die Entwicklung des physischen Teilbereichs «Halbleiter & Ausrüstung» und des virtuellen Bereichs «Software & Services» unterschiedlicher nicht sein. Einen Überblick über die Entwicklung der globalen Aktienbranchen und der IT-Branche im Speziellen liefert der aktuelle Börsenbrief der Zähringer Privatbank.
Diese Verschiebung zum Materiellen widerspiegelt zwei Sorgen der Anlegerinnen und Anleger: Einerseits haben sie Zweifel, ob sich die enormen Investitionen in KI-Infrastrukturen langfristig rechnen. Andererseits nehmen die Ängste vor Disruption zu – also davor, dass neue Technologien bestehende digitale Geschäftsmodelle unter Druck setzen.
Schöpferische Zerstörung und neue Führungsrollen
Der Wandel ist kein neues Phänomen. Der Ökonom Joseph Schumpeter sprach bereits vor über hundert Jahren von «schöpferischer Zerstörung», nach der neue Technologien Altes verdrängen und zugleich Raum für Neues schaffen. Auch die künstliche Intelligenz wird solche schöpferischen Kräfte freisetzen – die Erwartungen dafür sind auf makroökonomischer Ebene gross.
Auf Unternehmensebene dürften sich Kostenstrukturen, Margen und Wettbewerbspositionen verändern. Neue Technologien ermöglichen effizientere Abläufe, senken Markteintrittsbarrieren und schaffen Raum für neue Geschäftsmodelle.
Was das für die Vermögensanlage bedeutet
Für die Vermögensverwaltung ist diese Entwicklung besonders relevant. Finanzmärkte versuchen, wirtschaftliche Veränderungen frühzeitig vorwegzunehmen. Erwartungen zu Gewinnern und Verlierern werden rasch in die Bewertungen eingepreist – oft noch bevor sich reale Effekte zeigen.
Gerade in Phasen tiefgreifender technologischer Umbrüche spielt deshalb der Grundsatz der Diversifikation eine zentrale Rolle. Eine breite Streuung über mehrere Branchen hilft, einseitige Abhängigkeiten zu vermeiden. Auch in einer zunehmend digitalen Wirtschaft bleiben reale Produktionskapazitäten, Infrastruktur und Rohstoffe zentrale Bausteine der Wertschöpfung.
Die aktuelle Renaissance des Physischen erinnert daran, dass wirtschaftlicher Fortschritt selten eindimensional verläuft. Ein ausgewogenes Portfolio verbindet digitale Innovation mit materieller Substanz – und schafft damit Stabilität in einem Umfeld anhaltender Veränderungen.
Haben Sie Fragen zu Ihrer aktuellen Anlagestrategie in dieser herausfordernden Zeit? Oder sind Sie interessiert an einer Vermögensverwaltung? Dann melden Sie sich bei Ihrer Kundenberaterin oder Ihrem Kundenberater der Bernerland Bank.
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